Sternstunden der Musik | Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra in Ramallah

Sternstunden der Musik | Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra in Ramallah

Sternstunden der Musik | Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra in Ramallah

Ein Film von Anne-Kathrin Peitz, ZDF/arte, 43 min., 2022

Nächste Ausstrahlung: 13. November um 17:40 Uhr, ARTE

Seit Jahrzehnten beherrschen gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern das Leben im Westjordanland. 2005 gibt es zwar Hoffnung auf eine friedliche Verständigung, dennoch bestimmt der Nahostkonflikt den Alltag in Ramallah. Mitten in dieser angespannten Atmosphäre reisen 80 junge arabische, spanische und jüdische Musiker zusammen mit dem weltbekannten Dirigenten Daniel Barenboim in die palästinensische Hauptstadt, um ein Zeichen der Versöhnung zu setzen. Es ist das Konzert ihres Lebens.

Am 21. August 2005 blickt die Welt auf Ramallah: 80 junge arabische, spanische und jüdische Musiker reisen in die palästinensische Hauptstadt, um das Konzert ihres Lebens zu spielen. Das „West-Eastern Divan Orchestra“ unter Daniel Barenboim schreibt mit diesem bis heute einmaligen Auftritt Geschichte.

Es ist ein Musikereignis unter Extrembedingung: Seit Jahrzehnten beherrschen gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern das Leben im Westjordanland. Obwohl zur Zeit des Konzertes offizieller Waffenstillstand galt, war der Nahostkonflikt noch keineswegs gelöst – und er ist es bis heute nicht. In Israel wurde das Unternehmen im Vorfeld kritisch gesehen, Barenboim öffentlich angefeindet. Wenige Tage vor dem Konzert bot Spanien Visa für das ganze Orchester an, um eine denkbare Absage zu verhindern und Sicherheit zu garantieren.

© Peter Dammann / Agentur Focus Ramallah, Palestine, Westbank, May 2004 The entrance to Ramallah from Jerusalem - Checkpoint Qalandia

Das von Daniel Barenboim und dem mittlerweile verstorbenen palästinensischen Gelehrten Edward Said sechs Jahre zuvor gegründete West-Eastern Divan Orchestra erregt internationale Aufmerksamkeit und wird über Nacht berühmt.

Mit diesem Auftritt setzte das Orchester ein Zeichen – nicht zuletzt auch durch die Auswahl des Programms: Steht Beethovens „Schicksalssymphonie“ für eine Vision von der Versöhnung der Menschen, unterstreicht auch Mozarts „Sinfonia concertante“ eindrücklich, dass ein friedliches Miteinander durch Musik möglich ist, stammen doch die Solist:innen am Fagott, Horn, an der Oboe und Klarinette aus Israel, Syrien und Ägypten.

Diese Sternstunde zeigt nicht nur die legendäre Konzertaufzeichnung. Dokumentarische Passagen über die Entstehung des Orchesters und das Miteinander der Musiker:innen bis hin zu Bildern von der spektakulären Ramallah-Reise lassen musikalische Geschichte fühlbar werden. In neu gefilmten Gesprächen erinnern sich Daniel Barenboim, Mariam C. Said und ausgewählte Musiker:innen an diesen denkwürdigen Abend. Prominente Freund:innen des Orchesters wie Schauspieler Christoph Waltz, Cellist Yo-Yo Ma oder Sängerin Waltraud Meier spüren der Frage nach, was Musik in einem solchen Kontext leisten kann.

Klangwütig – Ein Jahr an der Karajan-Akademie

Klangwütig – Ein Jahr an der Karajan-Akademie

Klangwütig – Ein Jahr an der Karajan-Akademie

Ein Film von Isabel Hahn & Silvia Palmigiano, ZDF/arte, 52 min., 2022

bis 20.01.2023 verfügbar in der ARTE-Mediathek

Nodoka Okisawa, Sara Ferrández und Lennard Czakaj sind drei von 30 Musiker:innen, die einen begehrten Platz an der Karajan-Akademie ergattert haben, der Kaderschmiede der Berliner Philharmoniker. Das bedeutet Unterricht und Konzerte mit einem der besten Orchester der Welt. Es bedeutet aber auch große Erwartungen und viel Druck.

Bratschistin Sara träumt von einer Solo-Karriere und arbeitet an ihrem YouTube Kanal. Sie möchte jungen Menschen klassische Musik näherbringen. Sie möchte Tabus brechen – denn sie findet in der klassischen Musik gibt es zu viele Konventionen, die keinen Sinn machen. Trompeter Lennard kommt nicht aus einem Musikerhaushalt. Seine erste Trompete hat er mit acht Jahren von seinen Eltern bekommen. Damals hatte er ein schlechtes Gewissen, weil er wusste, dass das Instrument sehr teuer ist. Er hat seitdem alles auf eine Karte gesetzt und hofft auf eine Stelle im Orchester. Einen Plan B hat er nicht. Nodoka erwartet ein Baby. Und damit ist sie wieder mit etwas konfrontiert, was ihrer Meinung in der Musik gar nichts zu suchen hat: Eine Dirigentin wird nicht immer akzeptiert und dann noch eine schwangere… Aber auf dem Podium vergisst sie dann alles – und schwebt.

Sternstunden der Musik | Der 11. September 2001: Hélène Grimaud in London

Sternstunden der Musik | Der 11. September 2001: Hélène Grimaud in London

Sternstunden der Musik | Der 11. September 2001: Hélène Grimaud in London

Ein Film von Holger Preuße & Philipp Quiring, ZDF/arte und C Major Entertainment, 43 min., 2022

Am 11. September 2001 hält die Welt inne als Flugzeuge in das World Trade Center in New York fliegen. Wie aus Trauer und Entsetzen eine musikalische Sternstunde wird, wie Musik in diesen tragischen Momenten ein Mittel des Tröstens sein kann, das zeigt dieser Film über das Konzert von Hélène Grimaud mit dem Orchestre de Paris unter der Leitung von Christoph Eschenbach in der Royal Albert Hall.

(c) Mark Hennek

Eigentlich sollte der 11. September 2001 für die junge französische Pianistin Hélène Grimaud ein Tag der Freude werden. Aus ihrer Wahlheimat New York reist sie nach London, um ihr mit Spannung erwartetes Debüt bei den BBC Proms zu geben, dem weltweit größten Festival für Klassische Musik. Das 4. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven hat sie für ihren Auftritt mit dem Orchestre de Paris unter Christoph Eschenbach vorbereitet.

Doch nach der Generalprobe in der Royal Albert Hall ist von einem Moment auf den anderen alles ungewiss. In ihrem Hotelzimmer sieht Hélène Grimaud die Schreckensbilder aus New York. Ein Flugzeug war in das World Trade Center geflogen. „Ich dachte, es sei eine der neusten Hollywood-Horror-Produktionen“, erinnert sie sich.

Der Dirigent des Abends Christoph Eschenbach ist gerade beim Mittagessen mit dem französischen Botschafter in London als er von dem Terroranschlag islamischer Attentäter hört. Er und der Veranstalter der Proms, Sir Nicholas Kenyon, müssen eine Entscheidung treffen: Kann man ein Konzert an so einem Tag austragen?

Sir Kenyon sagt darüber: „Es gehört viel dazu, ein Proms-Konzert abzusagen. Selbst als Lady Di gestorben ist, haben wir uns dazu entschlossen, das Konzert stattfinden zu lassen. Und die Leute kamen.“ Auch Christoph Eschenbach und Hélène Grimaud sind bereit zu spielen.

Der Saal füllt sich. Die Stimmung ist bedrückt. Über Hélène Grimauds Auftritt liegt der bleierne Mantel des Anschlags mit zahlreichen Toten. „Ihr Konzert war ein Konzert des Friedens“, kommentiert die Pianistin Sophie Pacini. Und tatsächlich, nachdem der eröffnende G-Dur Akkord mit zittrigen Fingern erklungen ist, spielt sich Hélène Grimaud zunehmend frei. Der Moment der katastrophalen Ereignisse, der Druck, die Fragen beflügeln sie mehr und mehr zu einer „Sternstunde der Musik“.

Gesanglich ist ihr Ton im 2. Satz des Beethoven-Konzertes. Der Saal ist mit Spannung aufgeladen. Das Proms-Publikum hält den Atem an, fühlt mit. Es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, an das sich die Bratschistin des Orchestre de Paris, Estelle Villotte, mehr als zwei Jahrzehnte später erinnert. „Ich habe während des Konzertes auf meine Bratsche geweint. Aber Christoph Eschenbach und Hélène Grimaud haben mich da durchgetragen.“

Zur Befreiung wird dann der tänzerisch verspielte dritte Satz. Die Bilder von New York erscheinen, zumindest für einen Moment, überstrahlt von Hélène Grimauds Spiel. Die Stimmung löst sich. Das Publikum reagiert mit Standing Ovations.

Pierre-Laurent Aimard spielt Olivier Messiaen

Pierre-Laurent Aimard spielt Olivier Messiaen

Pierre-Laurent Aimard spielt Olivier Messiaen

Regie: Martin Baer, SWR/ARTE 2022, 52 min.

Der „Catalogue d’oiseaux“ („Vogelkatalog“) gehört zu den wichtigsten Werken von Olivier Messiaen. Er hat die 13 Klavierstücke zwischen 1956 und 1958 komponiert. Was zunächst eher nach einem ornithologischen Nachschlagewerk klingt, kann in seiner Bedeutung als ungewöhnliches und brillantes Klavierwerk nicht hoch genug geschätzt werden. Bislang gab es keine Filmaufnahmen des „Vogelkatalogs“ mit dem wichtigsten Messiaen-Interpreten Pierre-Laurent Aimard für das Fernsehen. ARTE schließt diese Lücke nun.

Pierre-Laurent Aimard ist der führende Interpret von Olivier Messiaens Klavierwerk. Als Schüler von Messiaens zweiter Ehefrau Yvonne Loriod am Conservatoire de Paris hatte er einen sehr frühen musikalischen wie persönlichen Bezug zu Olivier Messiaen. Bereits als 16-Jähriger gewann er den Messiaen-Wettbewerb. Im Ensemble Intercontemporain von Pierre Boulez, einem der Schüler von Messiaen, war er erster Solopianist. Für seine Einspielung „Hommage à Messiaen“ wurde er mit dem Echo Klassik Preis ausgezeichnet.

In dieser Produktion aus der Berliner Kirche St. Canisius vom 17. Dezember 2021 spielt Pierre-Laurent Aimard folgende Stücke aus Messiaens „Catalogue d’oiseaux“:

„Le traquet stapazin“ („Der Schwarzohrige Steinschmätzer“)
„Le courlis cendré“ („Der Eurasische Brachvogel“)
„L’alouette calandrelle“ („Die Kalendrierte Lerche“)
„L’alouette lulu“ („Die Heidelerche“)
„Le merle bleu“ („Die Blaumerle“)

 

Die Sendung gibt es ab dem 24. April 2022 in der ARTE Mediathek.

Die Stimme der Vögel – Olivier Messiaen, Komponist und Ornithologe

Die Stimme der Vögel – Olivier Messiaen, Komponist und Ornithologe

Die Stimme der Vögel – Olivier Messiaen, Komponist und Ornithologe

Ein Film von Holger Preuße und Philipp Quiring, SWR/ARTE 2022, 52 min.

Nächste Ausstrahlung: 24. April um 23:55 Uhr, ARTE

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Für Olivier Messiaen sind die Vögel „die größten Musiker, die unseren Planeten bewohnen“. Ihre endlosen Melodien mit feinsten Tonabstufungen, ihr variantenreicher Gesang und die unendliche Vielfalt an Rhythmen sind das Lebenselixier des französischen Musikers. Anlässlich seines 30. Todestages am 27. April 2022 erzählen wir Olivier Messiaens Geschichte aus der Perspektive der Vögel.

Messiaen lernt die Vögel schon in jungen Jahren kennen und als er mit Anfang 20 aus der französischen Provinz nach Paris kommt, flattern sie weiter in seinem Kopf. Als Organist der Pfarrkirche La Trinité in Paris sind sie es, die ihm ihre Gesänge anvertrauen, über die er improvisiert. Musikbegeisterte aus ganz Europa pilgern zu ihm. Wie ein Heiliger zieht er die Menschen an. Mit großer Spannung wird 1983 die Uraufführung seiner Oper in Paris erwartet: In „Der Heilige Franz von Assisi“ („Saint François d’Assise“) spielen die Vögel eine zentrale Rolle. Die Vögel sind für ihn etwas Metaphysisches, die direkte Verbindung zu Gott.

Vor dem Hintergrund der „Stimme der Vögel“ schildert der Film das bewegte Leben des Komponisten und Ornithologen Messiaen anhand von musikalischen Beispielen und Erzählungen ausgesuchter Gesprächspartner: Da ist der Dirigent Kent Nagano, die Cellistin Camille Thomas, die Ondes Martenot Interpretin Natalie Forget und der Organist Thomas Lacôte, der Messiaen-Biograf Peter Hill, der DJ und Biologe Dominik Eulberg und nicht zuletzt Pierre-Laurent Aimard, der exemplarisch ausgewählte Passagen aus Messiaens „Catalogue d’oiseaux“ („Vogelkatalog“) anschaulich erläutert.

 

Die Sendung gibt es ab dem 24. April 2022 in der ARTE-Mediathek.