7 Leben für die Musik – Die Familie Kanneh-Mason

7 Leben für die Musik – Die Familie Kanneh-Mason

7 Leben für die Musik – Die Familie Kanneh-Mason

Ein Film von Catharina Kleber, ZDF/3sat 2022, 60 min.

Eine Familie mit sieben Kindern, jedes einzelne ein musikalisches Ausnahmetalent. Die Kanneh-Mason Geschwister beweisen mit begeisternder Energie und großem Erfolg, dass klassische Musik nicht nur von Weißen für Weiße ist. Die Dokumentation „7 Leben für die Musik – Die Familie Kanneh-Mason“ von Catharina Kleber gibt mitreißende, emotionale und überraschende Einblicke in das private und berufliche Leben der Familie.

© Chris O'Donovan

Mit Sheku fing alles an: Das englische Königshaus lud den Gewinner der „BBC Young Musician Competition 2016“ ein, um die Trauung von Prinz Harry und Meghan Markle auf dem Cello zu begleiten. Über Nacht war er weltberühmt und zog seine Geschwister mit ins Rampenlicht. Isata, die älteste der sieben, spielt beim Schleswig-Holstein Musikfestival, die kleine Schwester Jeneba in der Londoner Wigmore Hall, jede und jeder machen ihren Weg. Sie treffen dabei auf prominente Namen, auf Simon Rattle und Christoph Eschenbach, auf Daniel Hope und Thomas Hampson. Vor allem aber gehen sie gemeinsam durchs Leben und stärken einander im Besteigen der Siegertreppchen der Welt. So tritt die Familie in der Royal Albert Hall bei einem der legendären BBC Proms Konzerte auf und spielt in den sagenumwobenen Abbey Road Studios eine CD ein.

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Die Eltern sind oft dabei, aber die Kinder werden von ihnen nicht gedrillt wie Bach, Mozart oder die Jackson Five. Kadie und Stuart, mit ihren Wuzeln in Sierra Leone und der Karibik, sind selbst vom Talent und Willen ihrer sieben Kinder überrascht. Sie schaffen es, diese Eigenschaften zu fördern, ohne sie zu überfordern.

Die Dokumentation porträtiert alle Mitglieder der Familie, blickt auf ihre Wünsche und Ziele, aber auch auf ihre Hürden und Sorgen. Sie ist bei den Proben im Wohnzimmer, beim Kicken auf dem Fußballplatz und bei vielen Konzerten dabei. Die Familie weiß, dass es auch heute für schwarze Musikerinnen und Musiker schwer ist, in der Klassikszene erfolgreich zu sein. Aber sie zeigt überzeugend, dass es auf keinen Fall so bleiben darf.

The Lucky Tenor – José Carreras wird 75

The Lucky Tenor – José Carreras wird 75

The Lucky Tenor – José Carreras wird 75

Ein Film von Beatrix Conrad, BR/WDR/SWR und C Major Entertainment 2021, 45 min.

Das Privatleben von José Carreras lief nicht immer so glanzvoll und ungetrübt wie seine Weltkarriere: Seine Familie wurde vom Franco-Regime verfolgt, seine Mutter stirbt an Krebs, als er gerade mal 18 Jahre ist, Ende der 80er Jahre erkrankt er an Leukämie. Damals noch ein sicheres Todesurteil. Carreras nimmt den Kampf auf und überlebt als einer der ersten Patienten, bei dem eine Knochenmarktransplantation durchgeführt wird.

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Gerade der Umgang mit den tragischen Momenten seines Lebens verrät viel über den Menschen hinter dem Opernstar. Er ist ein unermüdlicher Kämpfer, ein großer Kommunikator und ein gnadenloser Optimist. Seine Energie stellte er nicht zuletzt 1990 mit der Gründung der „Drei Tenöre“ an der Seite von Luciano Pavarotti und Placido Domingo unter Beweis. Kurz vor der Gründung war Carreras Teil der ersten Einspielung der „West Side Story“ von Leonard Bernstein, in der er als einziger Spanier die Hauptrolle des amerikanischen Tony übernahm.

Das mittlerweile 30jährige Engagement für die José Carreras Leukaemia Foundation sind ein weiterer Beweis für die unbeugsame Natur des Spaniers: Jahr für Jahr lädt er die Stars nach Leipzig zu seiner Spendengala ein. Über 220 Millionen Euro kamen dabei bisher zusammen – auch das ein beeindruckendes Lebenswerk.

Ein bewegendes Abschiedskonzert gibt der Tenor in seiner zweiten musikalischen Heimat: in der Wiener Staatsoper. Das Publikum bedankt sich bei ihm mit minutenlangem Applaus. Danke und Adieu an The Lucky Tenor.

 

 

Sternstunden der Musik | Spirituals in Concert – Kathleen Battle und Jessye Norman

Sternstunden der Musik | Spirituals in Concert – Kathleen Battle und Jessye Norman

Sternstunden der Musik | Spirituals in Concert – Kathleen Battle und Jessye Norman

Ein Film von Dag Freyer, ZDF/arte und C Major Entertainment 2021, 43 min.

Als Jessye Norman und Kathleen Battle am 18. März 1990 die Bühne der Carnegie Hall betreten, weht ein Hauch von Geschichte durch Amerikas berühmtesten Konzertsaal. Zwei der besten Sopranistinnen der Welt setzen der afroamerikanischen Musiktradition ein Denkmal. Ein musikalisches Statement in einer Ära des konservativen Rollbacks in den USA.

Jessye Norman and Kathleen Battle

Der Abend im März 1990 steht unter enormem Erwartungsdruck. Die Spannung knistert an allen Ecken. Würden die beiden konkurrierenden Diven es tatsächlich schaffen, gemeinsam und nicht gegeneinander zu singen? Obwohl Spirituals sich inzwischen als Konzertrepertoire etabliert hatten, ist es doch stets ein Wagnis, die Wucht klassisch geschulter Stimmen auf die innig-schlichten Melodien „loszulassen“.  Kann der Geist von Musik, die Menschen in der Unterdrückung Lebenskraft, Mut und Trost spenden sollte, von hochvirtuosen Stimmen für Hörer auf sündteuren Opernplätzen bewahrt werden?

Die beiden Diven erobern die Carnegie Hall im Sturm, Kritik und Publikum huldigen ihnen: Es ist ein musikalisches Fest aus Charisma, Virtuosität, Lebendigkeit und Show. Jessye Norman dominiert mit ihrem authentischen Timbre und einem afrikanisch-farbenprächtigen Kostüm die Bühne, Kathleen Battle trifft noch die feinsten hohen Koloraturen. Eine magische Einheit entsteht zwischen den beiden gegensätzlichen Künstlerinnen an diesem Abend, als sie sich dem Repertoire annehmen, mit dem in ihrer Jugend ihr musikalischer Werdegang begonnen hatte.

Peter Gelb, damals der Produzent des Konzerts und heute der General Manager der Metropolitan Opera, erinnert sich an die Umstände, unter denen dieses besondere Konzertereignis entstand. Queen Esther Marrow, die Gründerin der Harlem Gospel Singers, und die in Berlin lebende Jocelyn B. Smith unterstreichen den spirituellen Aspekt und die politische Dimension des Abends.

Peter Gelb

Joy Denalane

E. Curenton

Hört man das Konzert heute, 3 Jahrzehnte der Desillusionierung später, so hört man es unweigerlich im Kontext der „Black Lives Matter“ – Bewegung, die sich durch eine Häufung von Polizeigewalt gegen Schwarze gebildet hat. Ein Rollback, wie es wohl insbesondere die beiden Sängerinnen nicht erwartet hätten, die ihr eigenes Kapitel der Bürgerrechtsbewegung vollendeten, indem sie das Auftreten Nicht-weißer Sänger*Innen auf den Opernbühnen zur Normalität machten.

Wir hören die packenden Duette wie Scandalize my Name und „Klassiker“ wie Swing low, sweet Chariot erneut und versuchen, das Konzert in seiner damaligen und heutigen musikgeschichtlichen wie politischen Dimension zu erfassen – vor allem aber, um die einzigartige Performance zu genießen, die dieser genuin afroamerikanischen Ausdrucksform weltweite Wertschätzung eroberte.

Sternstunden der Musik | Der Jahrhundertring 1976

Sternstunden der Musik | Der Jahrhundertring 1976

Sternstunden der Musik | Der Jahrhundertring 1976

Ein Film von Eric Schulz, ZDF/arte und C Major Entertainment, 43 min., 2021

Der Jahrhundertring 1976Die künstlerischen und gesellschaftlichen Wellen schlugen hoch, noch bevor sich der erste Vorhang hob. Flugblätter wurden verteilt und Unterschriften gegen die Inszenierung gesammelt, Musiker verließen den Orchestergraben, weil sie mit der avancierten Interpretation durch den Dirigenten Pierre Boulez nicht einverstanden waren. Die konservative Presse wehrte sich gegen die politisch-kapitalismuskritische Deutung von Richard Wagners Hauptwerk „Der Ring des Nibelungen“. Nach der Absage von Ingmar Bergmann wurde der erst 31jährige Fernseh- und Filmregisseur Patrice Chéreau verpflichtet. Er hatte bislang lediglich eine Oper von Rossini und Offenbach inszeniert. Als Konzept für den mehrteiligen und vielstündigen „Ring“ hatte er bei Wolfgang Wagner eine Schreibmaschinenseite eingereicht. Es blieben ihm vier Monate Zeit, das gewaltige Bühnenwerk zu erarbeiten. Der Jahrhundertring 1976

1976: Das hundertjährige Bestehen der Bayreuther Festspiele sollte mit einer Neueinstudierung von Richard Wagners „Ring“ groß gefeiert werden. Im Foyer des Festspielhauses wollte man eigentlich die Jubiläumsstimmung verbreiten, aber da spuckte Bayreuths Stammkundschaft Gift und Galle gegen die „entartete Kunst“: „Ein Kasperltheater“, „brutale Vergewaltigung“ und „der Wagner, der Richard, dreht sich im Grabe um“ konnte man hören. Bürgerinitiativen aus Mannheim und Heidelberg mit dem Slogan „Werkschutz für Wotan“ gründeten sich und man suchte die Aufführung durch Buhrufe zu stören. Vereinzelt kam es zu Rangeleien und Schlägereien.

Patrice Chéreau hat sich in seiner Inszenierung konsequent an den sozial-politischen Kunstschriften von Richard Wagner orientiert, die der Komponist im Kontext seiner Arbeit am „Ring“ geschrieben hatte. Es war keine vordergründige linke Ideologie, sondern es war Wagners Versuch, einer Epoche ihr mythologisches Fundament zu geben und die Gesinnung der Zeit einzufangen. Der „Ring“ wird so zu einer Allegorie auf das industrielle Zeitalter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit all seinen politischen Implikationen. Patrice Chéreaus Ansatz war es, den „Ring des Nibelungen“ als „eine Beschreibung der schrecklichen Perversionen der Gesellschaft, die sich in dieser Erhaltung der Macht begründet“ zu verstehen und ihn in seinen „Mechanismen eines starken Staates und der Opposition“ zu entlarven. Diese Art der Interpretation gefiel vor allem den Altwagnerianern und rechtskonservativen Kreisen überhaupt nicht. Trotz aller Anfeindungen, Festspielleiter Wolfgang Wagner und das Regieteam hielten an ihrem Konzept fest und überließen die Bühne der Kunst.

Der Jahrhundertring 1976Der „Jahrhundertring“ erfüllte das Diktum Richard Wagners, dass mit dem „Ring“ ein musikalisches Gesamtkunstwerk zu schaffen sei. Mit der Inszenierung, dem Bühnenbild und Lichtdesign, den Kostümen, der musikalischen Interpretation und nicht zuletzt der sängerischen Qualität der zahlreichen Solisten und des Chores wurde ein Mythos geboren. Das deutsch-französische Projekt endete mit einem der größten musikalischen Triumphe; die Inszenierung wurde als Jahrhundertereignis gefeiert.

Der Jahrhundertring 1976Der Film zeigt Ausschnitte von diesem im wahrsten Sinne monumentalen Opernereignis. Zeitzeugen blicken zurück und kommentieren das Geschehen auf und jenseits der Bühne. Die Sopranistin Dame Gwyneth Jones, die Altistin Hanna Schwarz und der Tenor Heinz Zednik standen damals mit auf der Bühne. Der französische Regisseur Vincent Huguet erzählt von seiner Zusammenarbeit mit Patrice Chéreau, dessen Assistent er in späteren Jahren war; die junge Sängerin Anna Prohaska, der Wagner-Sänger Günther Groissböck und Regisseur Barrie Kosky haben sich mit dem „Jahrhundertring“ auseinandergesetzt und sprechen über ihre Eindrücke. Und Friedrich Dieckman hat als Berichterstatter eine der wichtigsten Rezensionen über die die Vorgänge in Bayreuth geschrieben.

Das vollständige „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner mit seinen vier Teilen „Das Rheingold“, „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ (Gesamtdauer 16 Stunden) ist bis Dezember 2021 im Internet unter concert.arte.tv abrufbar.

Der Karneval der Tiere – Ein Musikstück erzählt

Der Karneval der Tiere – Ein Musikstück erzählt

Der Karneval der Tiere – Ein Musikstück erzählt

Ein Film von Holger Preusse und Philipp Quiring, 52 min., WDR/ARTE 2021

Nominiert für den Rose d’Or-Award 2021 in der Kategorie „Arts“ sowie für den Golden Prague Award 2021

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Karikatur

Der „Karneval der Tiere“ (frz. „Le Carnaval des animaux“) ist sein bekanntestes Stück. Dabei wollte Camille Saint-Saëns es zu Lebzeiten nie veröffentlichen. Zum 100. Todestag des Komponisten im Dezember 2021 erzählt uns das Musikstück selbst, wie es zu dem geschwinden Geburtsakt der „Großen zoologischen Fantasie“ im Kopf des Komponisten kam. Es sind die Noten, die uns von ihrer Leidensgeschichte und von ihrem Triumph auf den großen Bühnen der Musikwelt berichten.

Camille Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“ sollte nach dem Willen seines Schöpfers nur einmal erklingen, nämlich im März 1886, am Faschingsdienstag in einem Pariser Salon. Und nun stielt dieses Stück Camilles Saint-Saëns‘ anderen Werken seit hundert Jahren die Show. „Der Schwan“, „Das Aquarium“, die „Schildkröten“ und „Fossilien“ sind Evergreens. Regisseure haben Saint-Saëns‘ Musik nach Hollywood geholt und in ihren Filmen verwendet. Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes ist „Das Aquarium“ die Erkennungsmelodie. Namenhafte Autoren wie Peter Ustinov, Loriot und Roger Willemsen haben zum „Karneval“ Geschichten geschrieben – nicht immer zum Vorteil der Musik.

Der Saint-Saëns Biograf und Musikwissenschaftler Michael Stegemann sagt: „Ich würde dem ‚Karneval der Tiere‘ wünschen, dass er den ganzen Ballast der Popularisierungen eines Tages hinter sich lassen kann, dass man diesem Werk wirklich einmal zuhört und es sich so anschaut, wie es gemeint war, nämlich als eine unglaublich intelligente, witzige, aber eben auch anspruchsvolle Komposition, in der musikalische Meisterschaft und typisch französischer Esprit einander die Hand reichen.“

Der Film zeigt, dass der „Karneval“ mehr ist als die musikalische Charakterisierung und Überzeichnung verschiedener Tierarten, zu denen Camille Saint-Saëns auch die Gattung der „Pianisten“ zählt. Im „Karneval“ finden sich zahlreiche zeitgeschichtliche und biographische Bezüge, die die venezolanische Pianistin Gabriela Montero, die französisch-belgische Cellistin Camille Thomas und der US-amerikanische Organist und Komponist Cameron Carpenter aufzeigen.

Für die Dokumentation wurden Musiknoten aufwändig animiert, die uns die Geschichte aus der Perspektive des Musikstückes erzählen. Die Rolle des Sprechers hat der Schauspieler Sebastian Koch übernommen. Ein eigens für den Film zusammengestelltes Orchester lässt die Musik des „Karnevals der Tiere“ erklingen.

Camille Saint-Saens am Schreibtisch