Mischa Maisky spielt Tschaikowsky

Mischa Maisky spielt Tschaikowsky

Mischa Maisky spielt Tschaikowsky

Ein Film von Beatrix Conrad & Lily Küntzle, 43 min., NDR/ARTE 2024

Nächste Ausstrahlung: 15. September ARTE

„Nach 50 Jahren auf der Bühne gibt es immer noch viele Herausforderungen, Träume und Ambitionen für die nächsten 50 Jahre.“ – Mischa Maisky sagt es mit einem Augenzwinkern. Der 75jährige Star-Cellist zeigt mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Paavo Järvi, dass er immer noch wie ein „heißblütiger Jungspund“ (Hamburger Abendblatt) musizieren kann.

„Mein wichtigstes Lebensmotto: Perfektion ist der Feind des Guten.“ Für Mischa Maisky ist das Cello kein Mittel, um technisches Können zu demonstrieren. Nicht die Perfektion steht für ihn im Zentrum, vielmehr geht es ihm um Emotionen im Augenblick der Interpretation, die er seinem Publikum möglichst ungefiltert vermitteln möchte. Mit seiner langjährigen Freundin, der Pianistin Martha Argerich, und der Geigerin Janine Jansen im Konzert in Kiel ist diese emotionale Bindung zum Publikum intensiv zu spüren. Und auch wenn Mischa Maisky immer noch viele Wünsche und Träume für die Zukunft hat, einen Herzenswunsch hat er sich bereits erfüllt: gemeinsam mit seinen Kindern Sascha (Violine) und Lily (Klavier) geht er als Familientrio auf Konzertreisen.

Die Rokokovariationen von Tschaikowsky erlauben dem Cellisten, seine Virtuosität in vollen Zügen auszukosten. Mit der „Nocturne“ und der Cello-Adaption der Lenski Arie „Kuda, Kuda“ von Tschaikowsky demonstriert Maisky sein romantisches, ausdrucksstarkes Spiel, ohne in Kitsch abzugleiten. Max Bruchs „Kol Nidrei“ weckt in ihm Erinnerungen an seine Herkunft. Maisky wuchs in einer jüdischen Familie mit ukrainischer Herkunft in der ehemaligen Sowjetunion auf, begann als 8jähriger mit dem Cellospiel und erhielt seine Ausbildung von zwei der ganz großen Meister des Cellos: Mstislaw Rostropovich und Gregor Piatigorsky. Durch mehrere Brüche in seinem Leben – sein Vater starb, als er 18 war, seine Schwester wanderte kurz darauf aus, er selbst verbrachte 2 Jahre in einem Arbeitslager – entwickelte Maisky eine besondere Sensibilität, die man seinem Spiel anhört. Er sieht seinen ungewöhnlichen Lebenslauf als wichtige Ausbildung und ist dankbar für diese „umfassende Lebenserfahrung“.

Sternstunden der Musik | Grace Bumbry ist Carmen

Sternstunden der Musik | Grace Bumbry ist Carmen

Sternstunden der Musik | Grace Bumbry ist Carmen

Ein Film von Dag Freyer, ZDF/arte und UNITEL, 43 min.

Sendetermin bei ARTE: 09. Juni 2024 um 17:50 Uhr

Ihre Karriere mutet fast wie ein Märchen an: Aufgrund der Rassentrennung wurde ihr das Studium am St. Louis Institute of Music verweigert, obwohl sie dafür bei einem Wettbewerb ein Stipendium gewonnen hatte.

Doch Grace Bumbry setzt sich gegen alle Widerstände durch: Ihren Durchbruch feiert sie in Bayreuth, wohin sie Wieland Wagner für seinen „Tannhäuser“ holte. Zunächst Opfer rassistischer Anfeindungen, feiert die Presse sie schließlich als „schwarze Venus“, das Publikum klatscht sie gleich 40-mal vor den Vorhang. Zu einer ihrer Paraderollen wird die Carmen. Zusammen mit Herbert von Karajan zeigt sie sich auf dem Höhepunkt ihrer stimmlichen und darstellerischen Fähigkeiten. Ihre Stimmgewalt, ihr Temperament und ihre minimalistische Darstellung inspirieren bis heute Sängerinnen, die die Rolle der Carmen übernehmen. Viele haben eine große Karriere gemacht. Die von Grace Bumbry war mehr als das: Sie war wichtig – und „Carmen“ war eine ihrer Sternstunden. Doch „Carmen“ war auch eine Zäsur in Bumbrys Karriere, die auch persönliche Opfer von ihr forderte und sie zwang, vom Mezzosopran zum Sopran umzuschulen.

Für die Mezzosopranistin Clémentine Margaine, die mit „Carmen“ ihren Durchbruch feierte, ist Garce Bumbrys Interpretation nach wie vor die Referenz. Grace Bumbrys beste Freundin seit Jugendtagen, Felicia Weathers, stellt die Parallelen zwischen der Rolle der Carmen und Bumbrys Leben her. Anna Tomowa-Sintow, selbst eine der ganz Großen der Opernbühne, erläutert, was Bumbrys Interpretation der „Carmen“ so einzigartig macht. Dominique Meyer, Intendant der Mailänder Scala, blickt auf eine lange Zusammenarbeit und Freundschaft zurück. Und David Lee Brewer lässt in Bumbrys Musikzimmer am Tag der Wohnungsauflösung Bumbrys Karriere Revue passieren.

Sternstunden der Musik | Abbado dirigiert Mahlers „Auferstehungs-Symphonie“

Sternstunden der Musik | Abbado dirigiert Mahlers „Auferstehungs-Symphonie“

Sternstunden der Musik | Abbado dirigiert Mahlers „Auferstehungs-Symphonie“

Ein Film von Magdalena Zieba-Schwind, ZDF/arte und C Major Entertainment, 43 min.

Sendetermin bei ARTE: 21. Januar 2024 um 17:40 Uhr

2003 kehrt der weltberühmte Dirigent Claudio Abbado nach einer Krebserkrankung zurück auf die Bühne. Zusammen mit einem Who-is-Who der klassischen Musik, den besten Instrumentalisten und Kammermusikensembles, feiert er seine Rückkehr ins Leben. Die emotionale Aufführung der 2. Symphonie von Gustav Mahler, der „Auferstehungs-Symphonie“, wird zu einer Sternstunde der Musik.

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2003 fühlt sich Claudio Abbado nach seiner Krebserkrankung stark genug wieder ein Orchester zu dirigieren. Für seine Rückkehr auf die Bühne wählt er Gustav Mahlers 2. Symphonie aus – die sogenannte „Auferstehungssymphonie“. Ein gigantisches Werk für ein Orchester der Superlative: Das Lucerne Festival Orchestra besteht aus ausgewählten Solisten, Orchester- und Kammermusikern, mit denen Abbado während seiner langen Karriere auf allen Bühnen der Welt musizierte. Es ist ein erlesenes „Orchester der Freunde“, das mit ihm seine Rückkehr ins Leben zelebriert.

Diese Sternstunde beschäftigt sich mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem Sinn der Liebe, der Freiheit und des Leidens. Themen, die sich sowohl in Mahlers Musik als auch im Schicksal und Charakter von Claudio Abbado wiederfinden. „Sterben werde ich, um zu leben“, so die Worte der Auferstehungssymphonie, die der von Krankheit gezeichnete Abbado bei diesem Konzert mit dem Chor mitsingt. Ein zutiefst emotionaler Moment im Leben des Dirigenten und in der Konzertgeschichte.

Einige der Musiker, die in den Orchesterreihen dieses Konzerts saßen, lassen die ergreifende Stimmung dieser Sternstunde wieder aufleben: Renaud Capuçon, Emmanuel Pahud, Reinhold Friedrich und Antonello Manacorda erzählen über die Zusammenarbeit mit Abbado und über den Moment dieser einmaligen Interpretation von Mahlers Musik.

Sternstunden der Musik | Rudolf Nurejews Schwanensee

Sternstunden der Musik | Rudolf Nurejews Schwanensee

Sternstunden der Musik | Rudolf Nurejews Schwanensee

Ein Film von Anne-Kathrin Peitz, ZDF/arte und UNITEL, 43 min.

Sendetermin bei ARTE: 17. Dezember 2023 um 17:35 Uhr

Am 15. Oktober 1964 wird an der Wiener Staatsoper Ballettgeschichte geschrieben: Der erst 26-jährige russische Tänzer Rudolf Nurejew choreographiert „Schwanensee“ und übernimmt selbst die männliche Hauptrolle des Prinzen. Seine Partnerin ist die 45-jährige britische Primaballerina Margot Fonteyn. Mit seiner Version von Tschaikowskys Ballettklassiker wird Rudolf Nurejew zu der Tanzikone des 20. Jahrhunderts.

Nach 89 Vorhängen – Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde inklusive – ist klar: am 15. Oktober 1964 wurde an der Wiener Staatsoper Ballettgeschichte geschrieben. Der erst 26-jährige russische Tänzer Rudolf Nurejew choreographiert „Schwanensee“ und übernimmt selbst die männliche Hauptrolle des Prinzen.

Seine Partnerin ist die 45-jährige britische Primaballerina Margot Fonteyn. Nach weniger als zwei Stunden endet die weltberühmte Liebesgeschichte nicht mit dem traditionellen Happy End, sondern mit dem Tod des Prinzen. Mit seiner Version von Tschaikowskis Ballettklassiker wird Rudolf Nurejew zu der Tanzikone des 20. Jahrhunderts.

Seine Choreografie für das Wiener Staatsopernballett und die Wiener Symphoniker unter John Lanchbery ist eine der erfolgreichsten aller Zeiten – und noch immer im Repertoire der Wiener Staatsoper. Bis heute wird die technisch äußerst anspruchsvolle Choreographie von nachfolgenden Generationen ehrfurchtsvoll getanzt – und sie alle müssen sich an dem zur Legende gewordenen Traumpaar des klassischen Spitzentanzes Rudolf Nurejew und Margot Fonteyn messen lassen.

In seiner ungewöhnlichen „Schwanensee“-Deutung revolutioniert Nurejew die Rolle des männlichen Tänzers: Er will nicht länger nur „Hebemaschine“ der Primaballerina sein, sondern ihr ebenbürtiger Gegenpart – und stellt die Männerrolle und damit sich selbst in den Mittelpunkt des Tanzmärchens. Er adaptiert die Originalinszenierung von Marius Petipa und Lew Iwanow nach Gusto und fügt beispielsweise ein sehr melancholisches Solo ein, das heute Standard jeder Produktion ist.

Nurejews Lesart des Balletts zeigt nicht nur ein tiefes Verständnis für Tschaikowsky, der wegen seiner Homosexualität zum Außenseiter wurde, sondern trägt auch autobiographische Züge: Den Schmerz über Entwurzelung, Einsamkeit, den Verlust geliebter Menschen, das Aufbegehren gegen gesellschaftliche Konventionen, den der homosexuelle Tänzer, der als erster Künstler 1961 aus der Sowjet Union in den Westen flüchtet und dadurch über Nacht weltberühmt wird, selbst erlebt hat.

Diese Sternstunde zeigt nicht nur die legendäre Ballettaufzeichnung als aufwändig restaurierte 4K-Fassung. Dokumentarische Passagen mit Nurejew selbst, machen diese Ausnahmepersönlichkeit greifbar. In neu gefilmten Gesprächen erinnern sich ehemalige Tänzer und Wegbegleiter, wie Charles Jude, die französische „Let’s-Dance“-Jurorin Marie-Claude Pietragalla oder die Biographin Julie Kavanagh, sehr persönlich an ihn. Michael Birkmeyer und Gisela Cech, die bei der „Schwanensee-Premiere“ an der Seite von Nurejew tanzten, lassen diesen denkwürdigen Abend Revue passieren, während junge Künstler, wie die Erste Solotänzerin des Staatsballetts Berlin, Polina Semionowa, Choreograph Eric Gauthier oder Regisseur Kirill Serebrennikow, aus heutiger Perspektive auf Nurejew und sein Werk blicken.

Sternstunden der Musik | Franco Zeffirellis „La Bohème“

Sternstunden der Musik | Franco Zeffirellis „La Bohème“

Sternstunden der Musik | Franco Zeffirellis "La Bohème"

Ein Film von Anaïs Spiro, ZDF/arte und UNITEL, 43 min.

Sendetermin bei ARTE: 10. Dezember 2023 um 17:40 Uhr

Franco Zeffirelli steht für Sets und Kulissen von fast betäubender Opulenz. Seine sensationellen Inszenierungen sind zeitlos und begeistern Musik- und Filmliebhaber. 2023 wäre Franco Zeffirelli 100 Jahre alt geworden, er arbeitete mit Stars wie Maria Callas, Elizabeth Taylor und Richard Burton. Seine La Bohème mit Mirella Freni unter der Leitung von Herbert von Karajan hat Operngeschichte geschrieben.

Die Sternstunde mit der Musik von Giacomo Puccini und den Bildern von Zeffirelli öffnet uns die Türe in die zarte und melancholische Intimität der Geschichte der Mimì im Pariser Künstlerleben. Es ist ein im Studio gedrehter Opernfilm, der erste Musikfilm unter der Leitung von Herbert von Karajan und die erste Opern-Filmproduktion von Franco Zeffirelli. 

Zeffirellis Inszenierung der La Bohème an der Mailänder Scala hatte einen derart überwältigenden Erfolg, dass Herbert von Karajan und Zeffirelli beschlossen, daraus einen Opernfilm zu machen.

Die Tonspur mit dem Chor und Orchester der Mailänder Scala und dem Spitzenensemble bestehend aus Mirella Freni, Gianni Raimondi, Rolando Panerai, Ivo Vinco, Gianni Maffeo, Adriana Martino wurde zuerst aufgenommen. Die Bühne wurde dann in einem Filmstudio nachgebaut und in Technicolor, der damals besten Filmtechnik gedreht.  Die junge Mirella Freni, die die Rolle der Mimì über 50 Jahre lang singt, wird nicht zuletzt wegen ihrer natürlichen und reinen Stimme weltberühmt.

Die Verfilmung von Puccinis Meisterwerk „La Bohème“ ist der Versuch, Spielfilm und Opernbühne zu verbinden. Erst Zeffirellis Inszenierung und der internationale Erfolg des Films machten La Bohème zu einer der bis heute meistgespielten Opern. Die ursprüngliche Inszenierung wurde immer wieder aufgegriffen und wird bis heute gespielt.

Die südafrikanische Sopranistin Pretty Yende, die später selbst in der Franco Zeffirelli Inszenierung „La Bohème“ sang und Schülerin von Mirella Freni war, erzählt von ihren Erfahrungen mit ihr. Der franko-italienische Sänger Roberto Alagna sang in der Zeffirelli-Inszenierung als blutjunger Tenor an der Seite von Mirella Freni und ist bis heute dankbar, sich durch diese „La Bohème“ neben Pavarotti und Carreras zu den großen Tenören zählen zu dürfen.