Sternstunden der Musik | John Crankos „Onegin“

Ein Film von Jan Schmidt-Garre, ZDF/arte, 43 min.

John Cranko, geboren 1927 in Südafrika, ging als Jugendlicher nach London und wurde nach einer kurzen Karriere als Tänzer schnell ein bekannter Choreograph. Im Jahr 1961 konnte ihn der Intendant des Stuttgarter Theaters überreden, die Leitung des damals kaum bekannten Stuttgarter Balletts zu übernehmen. Cranko gelang es binnen kurzer Zeit, das Ensemble zu einer der erfolgreichsten Compagnien der Welt zu machen.

An keinem seiner Werke lässt sich besser zeigen, was Crankos Kunst ausmacht, als an Onegin. Das Stück, das auf Puschkins Versroman „Eugen Onegin“ zurückgeht und dem Musik von Tschaikowsky zugrunde liegt, wurde 1965 am Stuttgarter Ballett uraufgeführt. In einer gestrafften Fassung ist es bis heute Crankos größter Erfolg und steht nach wie vor bei vielen Ballettcompagnien auf dem Spielplan.

Cranko rafft Puschkins Roman zu einem theatralisch wirksamen Konzentrat zusammen, indem er das Drama auf fünf Figuren bündelt. Zugleich zeigt Cranko, dass die Pas de Deux nicht nur die tänzerischen Höhepunkte eines Balletts sind, sondern auch die Träger der Handlung sein sollten.

Als Cranko ankündigte, seinen Onegin beim Gastspiel 1971 in Moskau zu zeigen, war das russische Publikum sehr misstrauisch. Cranko hatte es mit gleich zwei heiligen Werken der russischen Kultur aufgenommen, mit Puschkins Roman und Tschaikowskys Oper. Die Aufführung in Moskau wurde Crankos größter Triumph. Kurz danach starb er, im Jahr 1973.